Der Park

Unsere beiden Dorfparks – oder wie kann man in der heutigen Zeit 
noch innerörtliche Grünflächen zerstören!

Für einen Außenstehenden kann bei oberflächlicher Betrachtung des Sachverhaltes nur ein ablehnendes Kopfschütteln die Folge sein, hört er von den Plänen, dass in Altusried der »Dorfpark« zu 70% für ein Bauprojekt geopfert werden soll.
Wie kann man in der heutigen Zeit, in der die Natur seit Jahrzehnten massiv durch Flächeninanspruchnahme, Versiegelung, Artensterben, Chemieeinsatz, Industrialisierung und Bevölkerungswachstum unter Druck und auf dem Rückzug ist, sich überhaupt mit dem Gedanken auseinandersetzen eine innerörtliche Grünfläche durch ein Infrastrukturprojekt größtenteils zu überbauen?
Diese Fragestellung ist vordergründig berechtigt und eine Aussage wie in der Überschrift bei oberflächlicher Betrachtung auch nachvollziehbar. Doch betrachtet man die gesamte Komplexität aller dazu relevanten Themen wie Arten- und Biotopschutz, Umweltschutz, Erholungsfunktion, Versiegelung, Innerortsentwicklung, nachhaltige Lebensqualität, so sehen die nach objektiver Abwägung getroffenen Schlussfolgerungen für Altusried anders aus.

Was ist überhaupt ein »Park«?
Das Wort Park bezeichnet eine nach den Regeln der Gartenkunst gestaltete größere Grünfläche, die der Verschönerung und der Erholung dient. Parks wurden zunächst meist außerhalb von Städten angelegt und seit Mitte des 18. Jahrhunderts dann auch innerhalb, wie Volksgärten oder Stadtparks.
Die Funktion von Parks als »Grüne Lungen« gilt in Städten und Ballungsgebieten als besonders wichtig. Das bezieht 
sich in erster Linie auf die Erholungsfunktion, die Sauerstoffbildung, aber daneben auch auf die Wirkung als Staubfilter durch die Blätter und Nadeln.

Von welchem Park ist die Rede – vom großen oder kleinen Park?
Im Grunde genommen gibt es in Altusried zwei Parks bzw. Grünflächen – die kleine Fläche hinter dem Rathaus und die deutlich größere Fläche, nur 50 m westlich davon entfernt, Eingang am Vereinshaus des Gartenbauvereins oder von der Kirchstraße aus. Im kleinen Park soll der neue Lebensmittelmarkt gebaut werden. Hierfür wird ca. 70% der bisherigen Fläche beansprucht.

Wer ist bis dato Eigentümer des kleinen Parks?
Die Grünfläche mit rund 3600 qm hinter dem Rathaus gehört der Kirchenstiftung. Die Gemeinde hat seit vielen Jahren einen großen Teil (ca. 2000 qm) der Fläche von der Kirchenstiftung zur öffentlichen Nutzung in Pacht. Die restlichen Flächen sind von verschiedenen Angrenzern zur rein privaten Nutzung angepachtet. Die Angrenzer vergrößern durch die Anpachtung der Grünfläche ihre Gartenflächen und konnten trotz mehrerer Versuche die Pachtflächen bis dato nicht von der Kirchenstiftung ankaufen.

Was passiert mit der Fläche nach dem Verkauf durch die Kirche? Benötigt der Lebensmittelmarkt die gesamte Fläche – verlieren die Angrenzer ihre Pachtflächen?
Nein, der Lebensmittelmarkt benötigt nicht die gesamte Fläche. Im Falle des Erwerbs der Grünfläche durch die Gemeinde, können von den 3600 qm ca. 900 qm an die Nachbarn (Angrenzer, Anwohner) veräußert werden. Ein schriftliches Angebot liegt den Anliegern laut Bürgermeister Kammel bereits vor. Diese Flächen könnten die Angrenzer nach Fertigstellung des Lebensmittelmarktes kaufen und für immer in ihr Eigentum bringen und es nutzen.
Die restlichen 70% der Grünfläche würden dann einem Investor per Erbpachtvertrag verpachtet werden. Die Fläche bleibt somit in jedem Fall dauerhaft im Eigentum der Gemeinde und die Gemeinde hat entscheidenden Einfluss auf die Nutzung der Fläche während des Erbpachtvertragsverhältnisses.

Wie wurde der kleine Park bisher genutzt?
Die Grünfläche hinter dem Rathaus ist z.B. ein Teilbereich des jährlich stattfindenden »Alternativen Marktes«. Daneben findet alle 3 bis 4 Jahre im Rahmen der Freilichtspiele an ein paar Sonntagen das Parkfest statt. Der Park wird ansonsten sehr wenig von den Bürgerinnen und Bürgern benutzt. Weder Mütter mit Kindern oder weitere Erholungssuchende nützen die Fläche außerhalb der beschriebenen Veranstaltungen. Die Gründe hierfür sind einfach: Altusried hat ein Netz an Spielplätzen, welche allesamt besser und moderner ausgestattet sind als die Spielgeräte im »Dorfpark« und Altusried liegt inmitten einer herrlichen Naturlandschaft. Von jedem Ort des Dorfes aus erreicht man in wenigen Minuten grüne Erholungsgebiete: Koppach, Stiegis, Kalden und weitere direkt an den Ort anschließende Erholungsmöglichkeiten. In Altusried geht kein Bürger zur Naherholung in den Dorfpark!

Ist der Artenschutz durch die Veränderung betroffen?
Der Verlust einer Grünfläche bedeutet auch immer den Verlust einer potenziellen Fläche für den Artenschutz. Die besagte Fläche ist laut Untersuchungen des Dipl.-Biologen Rudolf Zahner vom Büro Sieber im Rahmen des Projektbezogenen Bebauungsplanes nicht als hochwertige Fläche für den Artenschutz einzustufen. Im Falle einer Beanspruchung dieser Fläche werden Ausgleichsmaßnahmen als Auflage erfolgen müssen, auf welchen man dann qualitativ hochwertige Biotop- und Artenschutzmaßnahmen umsetzen kann. Würde man sich gegen die verdichtete und flächenschonende Innerortsentwicklung entscheiden, wäre eine Ortsrandentwicklung die Folge. Die Flächeninanspruchnahme für die neu zu schaffende Gesamtinfrastruktur (neue Erschließungsstraßen, Bürgersteige, Zufahrten, etc.) am Ortsrand wäre in jedem Fall höher. Hier würde mehr »Grün« verschwinden und die heimische Landwirtschaft verliert Flächen. In Deutschland wurde seit 1960 (7% Versiegelung) bis heute dieselbe Fläche nochmals versiegelt (14% Versiegelung) wie all die Jahrhunderte zuvor. Das Gebot der Stunde, das auch die Bayerische Staatsregierung so verfolgt, lautet: Entwicklung im Bestand, Flächenschonung, Verringerung der Versiegelungsquote!

Gibt es eine Alternative zum kleinen Park?
In einer Entfernung von nur 50 Meter befindet sich der große »Dorfpark«, der im Gegensatz zum kleinen Park vollständig im Gemeindeeigentum ist und entsprechend für die Bürger genutzt werden kann. Diese Grünfläche ist ca. 6000 qm groß. Das 100-jährige Jubiläum des Imkervereins im Jahre 2011 hat gezeigt, dass dieser große Dorfpark hervorragend für Festivitäten geeignet ist. Ohne Frage könnte auch das Parkfest im Rahmen der Freilichtspiele im großen Dorfpark stattfinden. Die Organisatoren des Alternativen Marktes haben bereits signalisiert, dass der große Gemeindepark ohne Probleme in den Alternativen Markt integriert werden könnte.

Schlussfolgerung
Der Verlust der Grünfläche hinter unserem Rathaus ist in einer ersten Betrachtung kritisch zu sehen. Unter Berücksichtigung aller Faktoren, welche im Rahmen unseres Innerortskonzeptes betrachtet werden müssen, kann der Verlust dieser Fläche durch den in nächster Nähe und fast doppelt so großen zweiten Dorfpark gut ausgeglichen werden. Der Mensch und ein liebens- und erlebenswertes Altusried steht im Mittelpunkt unserer nachhaltigen Zukunftsstrategie. Der Erhalt des kleineren »Dorfparks« sollte dahinter zurückstehen.