Die Finanzen

Kann sich Altusried eine Innerortsentwicklung leisten? Ein Blick auf die Finanzen der Gemeinde Altusried.

In Altusried und vor allen Dingen in den Teilorten wurden in den vergangenen 16 Jahren erhebliche Investitionen (insgesamt ca. 62 Mio. Euro) in die Gemeinde-Infrastruktur investiert. Besondere Schwerpunkte waren Schulen, Straßen und Erschließungsmaßnahmen. Trotz dieser wichtigen Investitionen konnte der Schuldenstand seit 10 Jahren konstant auf ca. 13 Mio. Euro gehalten werden.

Die Pro-Kopf-Verschuldung in Altusried liegt bei rund 1346,– Euro. Der Durchschnitt aller Gemeinden im
Landkreis Oberallgäu liegt mit rund 1473,– Euro pro Kopf leicht darüber.

Es ist ein Leichtes Mitbürger mit dem Schlagsatz »Unsere Gemeinde ist überschuldet« zu verunsichern. Realität ist, dass es Gemeinden gibt, die deutlich weniger Schulden pro Kopf haben und es gibt Gemeinden, die haben deutlich mehr Schulden pro Kopf als unsere Marktgemeinde. Deswegen sollte man immer eine Gesamtschau bei den Finanzen machen. Ein Landkreisdurchschnitt ist hier schon mal ein erster Anhaltspunkt. Altusried liegt somit im Mittelfeld der Landkreisgemeinden, was die Verschuldung angeht. Altusried ist nicht überschuldet, aber dennoch ist es nachvollziehbar, dass sich die Bürger folgende Frage stellen:

Stellt die Marktgemeinde dem privaten Investor das Grundstück unentgeltlich
oder günstig zur Verfügung, bzw. verschleudert Steuergelder dafür?

NEIN, das ist nicht der Fall.


1. Das Grundstück ist bis jetzt noch gar nicht gekauft und weiterhin im Eigentum der Kirchenstiftung. Es besteht lediglich ein notarieller Vertrag über die Möglichkeit des Kaufes zu einem festen Preis, sollte der Lebensmittelmarkt an dieser Stelle verwirklicht werden können. Erst dann wird die Zahlung fällig. Diese Option gilt für den Zeitraum bis März 2016. Die Gemeinde hat für die Grünfläche hinter dem Rathaus noch keinen Cent bezahlt.

2. Die Marktgemeinde ist froh darüber, dass sie einen Investor gefunden hat, der das wirtschaftliche Risiko eines Neubaus trägt. Das Grundstück pachtet der Investor per Erbpacht von der Marktgemeinde über eine vertraglich festgeschriebene Laufzeit. Die Erbpacht, die die Gemeinde einnimmt wird die Kosten für Kauf und Finanzierung über diesen Zeitraum decken. Am Ende der Laufzeit des Erbpachtvertrages kann der Vertrag grundsätzlich auch verlängert werden.

Übrigens: Die Nutzung des Gebäudes als Lebensmittelvollsortimenter wird im Bebauungsplan festgeschrieben. Deswegen ist eine befürchtete andersartige Nutzung nicht möglich. Letztlich entstehen der Gemeinde mehr oder weniger keine direkten Kosten für den Erwerb des Grundstücks.

Die Kosten der Zufahrtswege, die Veränderungen an der Hauptstraße sowie die neuen öffentlichen Parkplätze müssen grundsätzlich von der Gemeinde geschultert werden. Dies sind allerdings Maßnahmen, die auch dem Rathausplatz und der öffentlichen Infrastruktur zu Gute kommen und dort eine wesentliche Verbesserung der Gesamtsituation bringen.

Zu den Kosten und Belastungen der Innerortsentwicklung

Eine ortsnahe Siedlungsentwicklung ist in der Regel kostengünstiger und hilft somit finanzielle Spielräume für die Allgemeinheit zu schaffen und Kosten zu sparen.

Warum ist das so?

Eine Entwicklung im Bestand bedeutet in aller Regel, dass weniger Fläche in Anspruch genommen werden muss. Häufig sind Grundstücke oder Teile der Entwicklungsfläche in der Ortsmitte schon in kommunalem Besitz, die Grundinfrastruktur, Ver- und Entsorgung, Leitungen, Verkehrsinfrastruktur und Anbindungen sind schon vorhanden und müssen nur entsprechend angepasst werden.

Eine Entwicklung am Ortsrand bedeutet zuerst Flächenankauf, Planung und Neubau der gesamten Infrastruktur und Anbindung an bestehende Systeme, was in jedem Fall eine hohe Vorfinanzierungssumme in Anspruch nimmt und die Liquidität der Gemeinde belastet. Die Gemeinde muss dann in den Folgejahren die entsprechenden Investoren und Nutzer suchen, um die Flächen weiter zu verkaufen. In der Regel sind diese Prozesse für die Kommunen defizitär und kein Geschäft.

Die geplante Innerortsentwicklung, mit dem ersten Teilprojekt Lebensmittelmarkt, soll in der oben beschriebenen Art und Weise über ein Erbpachtverhältnis umgesetzt werden. Das spart Kosten, schont die Liquidität und schafft die Sicherheit, dass die Gemeinde dennoch die Hand (Eigentum und Nutzung!) auf dem Grundstück behält.

Die notwendigen Kosten für die Anbindung an die Hauptstraße und für weitere Erschließungsmaßnahmen trägt in ihrem Zuständigkeitsbereich die Gemeinde. Diese Kosten liegen aber weit unter dem Finanzbedarf einer Ortsrandentwicklung. Insoweit ein vorausschauender und verantwortungsbewusster Umgang mit den Gemeindefinanzen.

Innerortsentwicklung bedeutet Kosten sparen, Liquidität zu sichern und mehr finanzielle Spielräume für die Gesamtgemeinde mit ihren Teilorten zur Verfügung zu haben.

Durch die Schaffung eines »lebendigen Marktplatzes« verbessert sich auch die Einnahmesituation für die Gemeinde (Steuereinnahmen und Kaufkraft). Der Ort wird mit seinem bereits an Infrastruktur vorhandenen Angebot (Einkaufen, Gewerbe, Schulen, Sport, Kultur, Arbeitsplätze...) für Alt- und Neubürger noch attraktiver. Das heimische Gewerbe profitiert hiervon, was der Gemeinde ebenfalls zugute kommt.

Mit einer vorausschauenden Strategie zur Innerortsentwicklung werden nicht nur eine Vielzahl an wichtigen Prozessen in Gang gesetzt, welche positive ökonomische Effekte erzielen: Vermeidung von Kosten, Steigerung der Einnahmen und somit die Schaffung einer verbesserten Finanzsituation für die Gesamtgemeinde.

Einkommensteuerbeteiligung und Gewerbesteuereinnahmen sind Haupteinnahmequellen für den Altusrieder Gemeindehaushalt. Je mehr junge Arbeitnehmer sich mit ihren Familien in Altusried niederlassen, desto besser für unsere Gemeinde. Konkret bedeutet dies höhere Steuereinnahmen, weniger Immobilienleerstand und gefüllte Kindergärten und Schulen. Neben vielen Senioren sind es gerade junge Familien, die viel Wert auf einen funktionierenden Ortskern mit Einkaufsmöglichkeiten legen.
Auf unserer Homepage »www-mitten-in-altusried.de« können Sie unter der Rubrik »Fakten« im Bereich »Finanzen« eine Chronologie der getätigten Investitionsmaßnahmen als auch der Schuldenstandentwicklung der Gemeinde einsehen.

Die Innerortsentwicklung Altusried nützt nicht nur dem Ort Altusried, sondern kommt finanziell der Gesamtgemeinde mit allen Ortsteilen zugute!

Einige der großen Investitionen in den Ortsteilen sind hier in Bildern gezeigt.


Die folgenden Zahlen und Informationen in den PDFs wurden uns von der Marktgemeinde Altusried freundlicherweise zur Verfügung gestellt.
Altusried - Investitions-Chronik: investitionen_chronik.pdf (71.59 KB)
Altusried - Schulden & Rücklagen: schuldenstand_entwicklung.pdf (49.55 KB)
E-Mail Bürgermeister Kammel an Roland Wintergerst - Ausgaben im Zusammenhang mit geplanter Neubau Lebensmittelmarkt: 2012-08_information_vorstand_geva.pdf (52.66 KB)